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„Kirchenstaat? Nein danke!“ Am 4. Mai startet die „Säkulare Buskampagne 2019“

Zuletzt aktualisiert von Hansjörg Albrecht am 8. April 2019 - 14:16
Buskampagne 2019 (Fotomontage Giordano-Bruno-Stiftung)

Vor 10 Jahren stand die „Säkulare Buskampagne“ unter dem Motto „Gottlos glücklich“. Die Botschaft, dass ein sinnerfülltes Leben keinen Gott braucht, ist inzwischen in der Gesellschaft angekommen, doch an den politischen Verhältnissen hat sich wenig verändert. Deshalb fordert die im Mai startende „Buskampagne 2019“ die Abschaffung aller staatlichen Regelungen, die religionsfreie Menschen diskriminieren.

Auf der gerade freigeschalteten Website der Buskampagne www.schlussmachen.jetzt heißt es dazu: „Es muss endlich Schluss damit sein, dass Bischofsgehälter aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt werden, dass die Kirchen das Arbeitsrecht unterlaufen können, dass katholische Missbrauchstäter der Strafverfolgung entgehen, dass schwerstkranken Menschen das Recht verwehrt wird, selbstbestimmt zu sterben, oder dass Frauen Zwangsberatungen über sich ergehen lassen müssen, wenn sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden! Werden diese und andere Kirchen-Privilegien nicht abgeschafft, so lassen sich auch die politischen Bestrebungen der Islamverbände nicht stoppen, die für sich ebenfalls ‚religiöse Sonderrechte‘ beanspruchen.“

Die von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) in Kooperation mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und dem Humanistischen Pressedienst (hpd) getragene Buskampagne erhebt diese Forderungen ganz bewusst auch vor dem Hintergrund der beiden großen Verfassungsjubiläen dieses Jahres, wie gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon betont: „100 Jahre Weimarer Verfassung und 70 Jahre Grundgesetz bedeuten nicht zuletzt auch 100 Jahre beziehungsweise 70 Jahre Verfassungsbruch. Deshalb ist es höchste Zeit, die Politikerinnen und Politiker aus ihrer religiösen Filterblase zu befreien und die verfassungswidrige Diskriminierung religionsfreier Menschen zu beenden.“

Bustour durch 25 Städte

Die Tour der „Buskampagne 2019“ wird am 4. Mai in Berlin starten und durch 25 Städte führen,
darunter sämtliche Landeshauptstädte. An vielen Orten wird es nicht nur Pressekonferenzen und
Informationsgespräche am Bus geben, sondern auch öffentliche Abendveranstaltungen mit
prominenten Fürsprecherinnen und Fürsprechern des weltanschaulich neutralen Staates, u.a. mit der
ehemaligen SPD-Spitzenpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier, den religionskritischen Autoren Carsten
Frerk, Philipp Möller und Michael Schmidt-Salomon sowie der nach §219a StGB verurteilten Ärztin
Kristina Hänel. Die entsprechenden Termine werden auf der Kampagnenwebsite in den nächsten
Wochen bekanntgegeben. Thematisch wird es dabei nicht nur um die Privilegien der
Religionsgemeinschaften gehen (etwa um die verfassungswidrigen Staatsleistungen an die Kirchen),
sondern auch um die vielfältigen Formen der religiösen Bevormundung, die in Deutschland noch
immer existieren, etwa die weltanschaulich parteiischen Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch
(§§ 218-219a StGB) oder die christlich begründete Missachtung der Selbstbestimmung am
Lebensende (§ 217 StGB).

„Die konfessionsfreien Menschen stellen in vielen Großstädten schon heute die Mehrheit der
Bevölkerung und in absehbarer Zeit wird dies auf ganz Deutschland zutreffen. Allerdings sind sie
bislang kaum organisiert, weshalb es der Politik leicht fällt, ihre Interessen zu ignorieren, wie jüngst
der Angriff der SPD-Führung auf die säkularen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gezeigt
hat“, sagt Schmidt-Salomon. „Mit der Buskampagne wollen wir die Menschen mobilisieren und den
politisch Verantwortlichen klarmachen, dass wir diese Ungleichbehandlung nicht widerstandslos
hinnehmen werden!“

David gegen Goliath

Dieses Ziel rechtfertige auch den hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand, den die
Giordano-Bruno-Stiftung als Hauptträgerin der Kampagne bei der Durchführung der bundesweiten
Bustour auf sich nehme, erklärt der Philosoph und Stiftungssprecher. Allerdings hofft die Stiftung
dabei durchaus auf Hilfen durch die Zivilgesellschaft. Wer die „Säkulare Buskampagne“ unterstützen
möchte, kann eine Spende auf das Konto der gemeinnützigen Giordano-Bruno-Stiftung überweisen
(Konto: 2 222 222, BLZ: 560 517 90, KSK Rhein-Hunsrück, IBAN: DE40 5605 1790 0002 2222 22, BIC:
MALADE51SIM, Verwendungszweck: „Buskampagne“) oder sich an der Buskampagnen-
Spendenaktion auf dem Portal betterplace.org beteiligen.

„Je mehr Gelder wir einnehmen, desto besser können wir die weltanschauliche Schieflage des
Staates ins öffentliche Bewusstsein rücken. Angesichts der Milliardenvermögen der Kirchen und der
starken Religionslobby in der Politik handelt es sich dabei zweifellos um einen Kampf zwischen David
und Goliath, aber dieser Streit ging in der Bibel ja auch nicht zugunsten von Goliath aus“, meint
Schmidt-Salomon. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Wir haben die religiös bestimmten Verhältnisse in
diesem Staat lange genug interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“

Ansprechpartner für diese Meldung: Dr. Michael Schmidt-Salomon / Elke Held (Giordano-Bruno-Stiftung),
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/content/pressekontakt